Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration


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DavidN


R4-Novize

Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 04.05.2010 11:43


Hallo Forum,

habe bei meinem F6 im Zuge der Restauration nahezu alles an der Bremsanlage ausgetauscht, überholt bzw erneuert.

(Neue Bremszylinder vorne und hinten, neuer Hauptbremszylinder, neue Scheiben & neue Beläge vorne, neue Beläge hinten, neue Handbremsseile, neue Bremsleitungen & -schläuche und alles befüllt mit Mike Sanders Silikonbremsflüssigkeit.) Einzig die Trommeln hinten und der Bremskraftbegrenzer an der Hinterachse sind als (überarbeitete) Altteile geblieben.

Jetzt steht die Vollabnahme an, aber die Bremsleistung ist mehr als ernüchternd.

Ich kann auf das Pedal treten wie ein Ochs‘ doch die Räder bekomme ich nicht zum blockieren.

(Druckpunkt ist schön da, das Pedal fällt auch nicht durch, Scheiben & Trommeln wurden vor Inbetriebnahme ordentlich entfettet, Bremsanlage korrekt entlüftet.)

Ist das für ‘nen R4 normal? (Mir fehlen da die Erfahrungswerte, bin vielleicht vor 20 Jahren oder so ‘n paar mal R4 gefahren.)

Muss sich das alles erst noch einlaufen oder hab‘ ich irgendwoanders den Wurm drin?


So brauch‘ ich erst gar nicht beim Onkel TÜV vorzufahren.

Tipps, Hinweise?


Danke für Eure Hilfe!


Gruß,


David




Geändert von DavidN am 4.May.2010 11:51


Vopri



Edelschrauber
286 Beiträge

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 04.05.2010 20:36


Hallo!

Genau das gleiche wie bei unsrer Fourgonette (F4 Bj. 70).

Im Zuge der Restauration alles komplett getauscht, Leitungen, Schläuche, Rad- Hauptzylinder, Beläge (er hat vorne noch die großen Trommeln)

Bei der ersten Fahrt bin ich auch gleich ins Stutzen gekommen und dachte da stimmt was nicht. Alles nochmal kontrolliert und zig mal entlüftet.

Die Bremswikung bleibt konstant mittelmäßig, man bekommt ihn fast nicht zum blockieren.

Bei der Vollabnahme auf dem Prüfstand meinte allerdings der Tüvmann: völlig ausreichend, das war bei den alten Autos ohne Bremskraftverstärker eben so.

Wie es sich beim F6 mit Scheibenbremsen verhält kann ich leider nicht sagen, da ich nix zum vergleichen hab.

Mögliche Ursachen sind höchstens noch Luft in der Leitung oder die Klötze hakeln evtl. im Sattel, das gibts öfter mal bei verschiedenen Autos. Falscher Hauptbremszylinder? Da gibts ja auch etliche verschiedene...

Grüße, Volker!


Marcus


RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 04.05.2010 22:25


Also eine erneuerte Bremse bringt erst nach den ersten 200-300km die volle Bremsleistung. Die Beläge und Scheiben müssen sich erst richstig einschleifen.

Ich hab auch wenig Erfahrung mit Autos ohne Bremskraftverstärker. Mein R4 ist noch nicht ganz fertig.

Ich hab heut eine kurze Proberunde auf meinem Hof gedreht. Da haben die Räder auf granitpflaster blockiert. Aber da musste ich auch ordentlich treten.

Es kommt auch darauf an wie du aufs Pedal trittst. Man muss schlagartig mit voller Kraft drauftreten, damit die richtig geht. Ein Bremskraftverstärker kann da viel ausgleichen.


mfg


VolkerF4


R4-Novize

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 04.05.2010 22:41


Wir haben auch den Vergleich zu unserem Cabrio. Dort reagieren die Bremsen mit originalem HBZ und erneuerten RBZ/Belägen deutlich bissiger als beim runderneuertem F4, bei dem der Druckpunkt auch weniger genau ist, sondern irgendwie schwammiger. Vielleicht doch nochmal entlüften?


DavidN


R4-Novize

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 04.05.2010 22:52


Danke Euch erstmal für die Antworten!

Also Luft im System kann ich zu 100 Prozent ausschließen. Das sich die Bremse noch einarbeiten muss ist auch klar, aber sooo wenig Biss dürfte sie meiner Meinung nach dennoch nicht haben. Ich kann auch unmöglich 300 Kilometer rumfahren, bevor ich zur Vollabnahme erscheine. (Habe leider keine roten Nummern.)

Ich habe jetzt die "automatische" Nachstellung der hinteren Bremsbeläge im Verdacht. Da scheint was mit der Verzahnung nicht so zu funktionieren, wie vorgesehen. (Vielleicht hab‘ ich das Federchen falsch eingehängt.)

Der Bremspunkt im Pedal ist recht weit unten. Habe den Wagen heute mal angehoben und getestet. Vorne bremst es fast augenblicklich hinten muss der Kolben erst ein gutes Stück ausfahren, bevor da Bremswirkung einsetzt. Und wenn man die Handbremse zieht und dann bremst, ist der Druckpunkt im Pedal auch gleich ein gutes Stück weiter oben. Ich nehme morgen mal die Trommeln ab...

Grüße,


David




elch101



Profischrauber
1677 Beiträge

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 05.05.2010 09:48


Der R4 braucht, weil eben ohne Bremskraftverstärker, schon einen kräftigen Tritt - trotzdem sollte man bei jeder Geschwindigkeit alle Räder zum blockieren bringen können. Scheibenbremsen schleifen sich zwar auch ein klein bißchen ein, bringen aber schon neu ausreichende Wirkung. Wenn nicht, ist was grundlegendes faul.

Den HBZ kann man zum Pedal hin einstellen. Kommt der Zylinder bis zum Anschlag raus?

Hinten ist für die Funktion der automatischen Nachstellung und einen frühen Druckpunkt die richtige Einstellung der Handbremsseile wichtig. So stark anziehen, das es gerade minimal schleift.

Tipp: Wenn Du eine gültige Doppelkarte hast sind Fahrten zum TÜV und zur Zulassungsstelle legal, auch wenn der Wagen noch nicht zugelassen ist. Mit diesem Vorwand kannst Du den Wagen zur nächsten Werkstatt um die Ecke fahren und vorab auf‘m Bremsenprüfstand gucken, was los ist. Anders läßt sich nämlich kaum rausfinden, ob mit dem lastabhängigen Bremskraftregler alles in Ordnung ist. Wenn er hinten schlecht bremst ist das betrüblich. Aber wenn er hinten frühzeitig überbremst ist es lebensgefährlich.

Ansonsten mach ich auch immer die Erfahrung: Wenn man voll Freude alles schön neu verbaut hat, geht die Arbeit erst los, bis alle mysteriösen Kinderkrankheiten auch behoben sind



 HomePage   http://fotos.web.de/elch101/R4
DavidN


R4-Novize

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 05.05.2010 12:01


Hallo Elch,

erstmal Danke für Deine Tipps!!!

Am HBZ ist alles in der Toleranz (5mm Spiel am Pedal, Kolben kommt auch schön zurück), kein Wunder der HBZ ist ja auch neu.

Ich denke, es hat alles was mit der Nachstellung zu tun. Habe jetzt mal die Trommeln hinten abgemacht. Kann man elementare Fehler ekennen?


Selbst bei abgebauter Trommel verstellt sich beim Durchtreten des Bremspedals nichts an der Nachstellung!?!

Und da liegt der Hund begraben denke ich. Der Druckpunkt der Bremse liegt dadurch, dass die hinteren Zylinder erst ein gutes Stück ausfahren müssen soweit unten, dass man keine Blockierbremsung hinbekommt.


Was kann ich machen? Erstmal manuell nachstellen?

Bin jetzt echt bald ratlos.


Grüße,


David


*edit*

So, den ersten Fehler habe ich schon selbst entdeckt. Die untere der beiden Federn die die Backen zusammen halten war original von hinten eingesteckt (wie die obere auch). Ich hab‘ sie von vorne reingefummelt. Aber den Nachstellmechanismus blockiert die Feder nicht. Ich werde sich sicherheitshalber aber noch umdrehen.

Dann hab‘ ich noch einen weiteren Verdacht... Eventuell habe ich für die Hinterachse falsche Bremszylinder besorgt. Es könnte sein, dass die Originalen einen kleineren Durchmesser hatten, muss die mal aus meiner Schrottkiste raussuchen & vergleichen. Jetzt hab‘ ich 22mm Zylinder drinne, vielleicht "fressen" die einfach zu viel Bremsflüssigkeit beim Bremsen?




Geändert von DavidN am 5.May.2010 12:55
R4F6 Alpine



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2055 Beiträge

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 05.05.2010 15:27


Hallo David,

So wie es aussieht hast Du die Handbremse falsch eingestellt. Da schleifen die Hebel wahrscheinlich schon an der Trommel.

Du musst erst die Seile lösen bis die Hebel hinten in der Anfangsstellung stehen, also dicht am Belag, Trommeln rauf, dann Fußbremse betätigen, dann solltest Du das Ratschen der Nachstellung R+L hören, dann u.U. die Seile wieder strammer stellen, was aber meistens nicht mehr notwendig ist.

Ich hoffe Du hast es verstanden...

Gruß

Ecki

edit: PS: achte auch auf den Begrenzer, beim Betätigen des Pedals fährt erst der Kolben nach oben bis er gegen den Bügel kommt, erst dann geht der Druck zu den RBZn. Wenn sich der Bügel nicht richtig bewegt oder fest ist hast Du auch zuviel Pedalweg. 




Geändert von R4F6 Alpine am 5.May.2010 15:40
r4thomas


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919 Beiträge

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 06.05.2010 01:48


Hallo David,

Ich habe vor einem Jahr meinen F6 fertiggestellt, habe auch alles neu reingebaut, und er bremste vom ersten Meter an so, wie man es sich wünscht. Auf allen vier Rädern. Die Bremswirkung, die dann der TÜV festgestellt hat, liegt zwar wesentlich unter der meines VW Sharan, das hat aber mit dem Bremskraftverstärker und dem viel höheren Gewicht zu tun. Im Bremsenprüfstand hebt sich jedes Auto beim Blockieren aus den Rollen.

Ich glaube daher, dass es bei Dir nicht wesentlich am fehlenden Einfahren der Beläge und Scheiben liegt. Der Renault-Mechaniker meines Vertrauens wies mich bei den Vorbereitungen der Restauration auf die unterschiedlichen Volumen in den Radbremszylindern hin. Nun weiß ich blöderweise nicht mehr auswendig, welche RBZ in meinem 84er F6 drin sind. Als ich Deinen ersten Beitrag las, dachte ich zunächst an falsche RBZ, aber da bist Du ja schon selbst drauf gekommen. Darüberhinaus würde ich auf die automatische Nachstellung tippen.

Ich wünsche Dir eine erfolgreiche Fehlersuche, und: dass es die einzige bleibt.....(denn da hat der Elch Recht: die vielen kleinen Friemeleien, die sich einstellen, wenn man das Auto wieder zusammen hat, sind gar nicht nett).

LG, thomas


DavidN


R4-Novize

RE: Enttäuschende Bremsleistung nach Komplettrestauration, 06.05.2010 11:31




R4F6 Alpine:

Hallo David,

So wie es aussieht hast Du die Handbremse falsch eingestellt. Da schleifen die Hebel wahrscheinlich schon an der Trommel.

Du musst erst die Seile lösen bis die Hebel hinten in der Anfangsstellung stehen, also dicht am Belag, Trommeln rauf, dann Fußbremse betätigen, dann solltest Du das Ratschen der Nachstellung R+L hören, dann u.U. die Seile wieder strammer stellen, was aber meistens nicht mehr notwendig ist.

Ich hoffe Du hast es verstanden...

Gruß

Ecki

edit: PS: achte auch auf den Begrenzer, beim Betätigen des Pedals fährt erst der Kolben nach oben bis er gegen den Bügel kommt, erst dann geht der Druck zu den RBZn. Wenn sich der Bügel nicht richtig bewegt oder fest ist hast Du auch zuviel Pedalweg. 



Hallo Ecki,


nochmal herzlichen Dank für die wertvollen Tipps!


Um nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch Antworten zu geben, lös‘ ich mal auf...

Habe zuerst gecheckt, ob der neu verbaute RBZ überhaupt der richtige ist. Laut Teileliste ja, und auch der alte RBZ hatte 22mm Kolbendurchmesser. *puh*

Danach - Danke Ecki - die Handbremsseile komplett entspannt und Bremse getreten (noch ohne Trommel). Nachstellung - Fehlanzeige. *hmmm*

Jetzt nochmal die Mechanik der automatischen Nachstellung unter die Lupe genommen und festgestellt, dass das Federchen mit der einen Seite wohl doch in das vorgesehene Loch gehört. Alles umgesteckt...

... und siehe da - Die Nachstellung funktioniert wunderbar.

Alles wieder auf "Null", Trommeln dran, Radlager eingestellt, Bremse getreten - stellt jetzt *ratter ratter* schön nach - Handbremsseile - Danke Elch! - bis zu leichtem Schleifen nachgespannt und nun habe ich einen schönen Druckpunkt ungefähr auf Mitte des Pedalweges. Auf der Straße testen war zwar noch nicht drin, aber ich hab‘ ein gutes Gefühl!


Danke allen für Tipps und Hinweise!


Grüße,


David


DavidN


R4-Novize

Jetzt bremst er super!, 07.05.2010 20:14


Nach den Änderungen konnte ich heute die Bremswirkung auf der Straße testen - Jetzt bremst er so, wie es sich gehört!

Gruß,


David


R4F6 Alpine



Profischrauber
2055 Beiträge

RE: Jetzt bremst er super!, 08.05.2010 21:22



Na bitte, alles wird gut
Noch als Tipp: ich würde die Handbremsseile eigentlich nicht nachspannen, die haben eine "Grundeinstellung" ab Werk, die Nachstellung erfolgt über den Ratschenmechanismus an der vorderen Bremsbacke.
Da die Bendix-Nachstellung zwar sehr einfach funktioniert, 2-3mal treten reicht, hat sie aber einen Nachteil.
Die Hysterese ist relativ groß. Da die Bremstrommel aber eine Bohrung hat kann man durch diese nicht nur die Nachstellung lösen sondern auch fester stellen.

Im Gegensatz dazu ist die Girling-Nachstellung (kleines Zahnrad in der oberen Querstange) wesentlich feiner.
Hier muß man aber beim Zusammenbau eine Grundeinstellung durchführen, also das Zahnrad drehen bis die Trommel gerade so raufpasst.
Sonst tritt man echt ins Leere.
Gruß
E.