Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten


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R4-Hans



Profischrauber
957 Beiträge

Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 27.01.2014 10:29


Ein herzliches Hallo ins Forum,

jetzt  geb ich mal ausnahmsweise nicht meinen Senf ;-) dazu, sondern habe mal eine echte Fachfrage an die Powerschrauber und ausgefuchsten Amateure unter Euch:

Die alte Bekannte, die ewig rostende Radhauskante an die der hintere Kotfügel geschraubt ist, bereitet  mir Kopfzerbrechen. Egal welche Methode der Sanierung man wählt, das Problem der Mehrfachbleche bleibt bestehen und die Reparaturbleche lösen das eigentliche Problem keineswegs.

Angebote verschiedesnster Qualitäten gibt es zwar genug, z. B.:  http://www.ebay.at/itm/Renault-R4-Reparaturbleche-fuer-hintere-Kotfluegel-innen-/150989334115 , http://www.franzose.de/de/Renault/R4/Verschweisste-Karosserieteile/, http://bestclassicparts.com/product.php?id_product=52011557  usw. , aber das muss doch noch besser gehen!

Die Stelle ist bereits konstruktionsbedingt ein Jammer, nicht nur dass Mehrfachbleche den Korrosionsschutz vereiteln, scheint der Bereich auch noch geradezu prädestiniert für Kondensfeuchte zu sein.

Wie bekommt man das Problem dauerhaft in den Griff?

Nächste Schwachstelle: Dass die Kotflügel seitlich und hinten im Original blindgenietet sind, ist zwar modelltypisch, das macht die Sache mit dem Rost durch die Spannungsreihe Aluminium/Eisen aber auch nicht besser.  Da werde ich wohl auch eine andere Lösung Marke ‘sieht aus wie genietet, ist aber verschraubt‘ anvisieren müssen...

Hat da jemand Erfahrung mit und/oder gute Ezzes?

Alles Liebe,

Hans




Geändert von R4-Hans am 27.Jan.2014 11:50
sprowi



Profischrauber
2605 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 27.01.2014 17:09


Hallo Hans, ich bin entsetzt, dass du eine Konstruktion die es seit den 21. September 1961 bis weit in die 90er mit über 8.135.424 Exemplaren gebaut wurden hinterfragst.
Es ist doch so, daß es viele R4 gibt, die der besagten braunen Pest Parole geboten haben, also schließe ich daraus, sooooo schlecht kann es nicht gewesen sein. (Auch Fahrzeuge in unseren Breitengraden)
Mein weißer 83er ist ungeschweißt und noch mit der Originallackierung.

Aber Scherz beiseite: Wenn alles entrostet wurde und die neuen Bleche gut verschweißt  kann man doch sehr gute Vorkehrungen treffen.
Ich habe bei meinen Gordini sehr viel mit 99%igen Zinkspray sowie mit etwas verdünnten Rostschutzgrund gearbeitet.
An den überlappenden Blechen mit Pinsel den Rostschutz einstreichen, durch den Kapillareffekt entsteht doch eine gute Grundvorsorge.
Die restlichen Schichten Bootslack, Steinschlagschutz sowie Wachs oder Fette sollten eigentlich ausreichen.

www.sprowi.at

Cordialement Alois
R4-Hans



Profischrauber
957 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 27.01.2014 18:16


An Zink habe ich natürlich auch gedacht lieber Alois,

(es gibt übrigens sogar vorverzinkte Rep-bleche) und mit dünnnflüssigem Rostschutz tränken macht auch Sinn, schon alleine weil das Brunox, das ich sonst sehr schätze, ja nicht so gut in die Ritzen kriecht... Die Schweißnaht wollte ich nach ausgiebiger Grundierung auch noch mit Carodichtmasse behandeln.

Was mir auch Sorgen macht, ist nicht nur die direkte Wassereinwirkung, sondern auch, dass sich an dieser Stelle gerne Kondensfeuchte bildet, die zwischen die Bleche ziehen kann, dort bleibt und ihr zerstörerisches Werk tut. Ich hatte daher ursprünglich vor, ein dauerverformbares Würth-Dichtband (so wie man es auch zwischen Rahmen und Caro gibt) mit dem neuen Flügel an der sanierten Radhauskante mitzuschrauben, bin jetzt aber nicht mehr so sicher, ob das auch sooo eine gute Idee ist...

Zu überlegen ist u. U. auch eine  Lokari-Lösung, aber ich bin mir nicht sicher, ob sich dann dahinter nicht erst recht Feuchtigkeit staut.

Der weiße TL ist ja ein echtes Schmuckstück - ungeschweißt und originallackiert, kaum zu glauben! Ich habe zwar gewusst, dass zwischen 1983-1986 die R4 gebaut wurden, die am rostfestesten waren, aber das ist schon bemerkenswert. Kein Rosttüpfchen zu sehen! War der von Anfang an ein Garagenwagen ;-)?

Alles Liebe,

Hans




Geändert von R4-Hans am 27.Jan.2014 18:36
sprowi



Profischrauber
2605 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 27.01.2014 20:50


Der 4er war und ist ein Garagenwagen und Erstbesitz einer älteren Dame.
Die allgemeine Rostvorsorge war anscheinend der viele Dreck und Ölfilm im, um  und am Wagen als ich ihn erstanden habe.

Ich glaube deine Befürchtung der Kondensfeuchtigkeit ist zu pessimistisch, wenn du ordentlich Farbe und Dichtmasse einbringst.  
Die Lokari-Lösung wäre für mich auch interessant, , vielleicht hat sie schon jemand verbaut?

Ich habe mir schon einmal eine Schablone für eine (Clementine’s) Gummilösung  angefertigt, aber wieder verworfen.


www.renault4.co.uk/gordini-wheel-arch-liners.htm

Cordialement Alois
elch101



Profischrauber
1677 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 27.01.2014 21:35


Ich bin von den Lokaris nicht besonders angetan. Das sind eigentlich Steinschlagschutzdinger für skandinavische Straßenverhältnisse (viel Schotter, unbefestigte Wege aber kein Salz) und nicht Korrosionsschutz für mitteleuropäische Saltzmatschepampe.

Wirklich dicht kriegt man die im Radhaus natürlich nicht, v.a vorne links wegen Auspuff eher unglücklich. Heute haben doch praktisch alle Autos so Kunststoffinnenradhäuser. Kuckt mal Richtung Schweller, was sich dahinter so ansammelt. Und nie wieder abtrocknet.

Wenn man hinter den Lokaris oder sonstigen Blenden Mike Sanders in der zähen Mischung aufbringt, wird es natürlich nicht ausgespült. Eine sehr dünne Behandlung am Unterboden meines Twingo zeigt aber nach anderthalb Jahren und 60 tkm daß das Zeugs immer noch gut fett ist. Und der arme Wagen muß oft durch den Dreck.


Sche-Te-Ell


R4-Fahrer
78 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 28.01.2014 00:29


Hallo Hans,

ich gehe folgendermaßen vor:

1. Schweißpunkte und Nähte sauber eben schleifen. Ebenso die Blechteile selbst harmonisch glatt dengeln, sowohl den Radhausflansch als auch den Kotflügel.

2. Überlappungen mit Grundierung tränken bis es gegenüber raussickert. Mehrere Tage warten, damit auch im Spalt die Grundierung durchhärtet und es nicht anschließend zu Schwundrissen kommt.

3. Die Teile grundieren mit Wash-Primer und nach dem Ablüften füllern.

4. Nach Trocknung mit feinem Schleifvlies anrauhen. Dabei keine Durchschliffe erzeugen (passiert normalerweise auch nicht, wenn die Flächen und die Kanten sauber glatt gedengelt wurden. Falls doch, nachpinseln.

5. PU-Dichtmasse auftragen (nicht zuviel, damit sich die Kotflügelspalte nicht vergrößern, aber trotzdem überall, wo Bleche aneinanderstoßen.

6. Innerhalb von 24 Stunden Steinschlagschutz überlackierbar auf Radhaus und Kotflügelinnenseite auftragen. Dort, wo der Kotflügel am Radhaus anliegt, abdecken wegen Spaltvergrößerung.

7. Innerhalb von 24 Stunden Decklack auftragen.

8. Vor der Montage des Kotflügels "Terostat 2 Spritzbares Dichtband" in so großer Menge auf die Befestigungsflansche auftragen, dass sicher Überschuß entsteht. Dieses Material ist anfangs so weich, dass es dir auch bei großem Überschuß den Kotflügelflansch nicht verbiegt sondern rausgedrückt wird. Den Überschuß kann man innen meistens dranlassen, außen im frischen Zustand mit Kreppband abtupfen. Das ist anfangs eine ziemliche Batzerei und man denkt man wird das Zeug nie wieder los, aber es wird zunehmend zäher und läßt sich zu Knödeln formen. Außen entsteht durch das Abtupfen eine kleine Fuge. Das ist auch gut so, wenn die Originaloptik hergestellt werden soll.

9. Außen die Fuge mit schwarzer PU-Karosseriedichtmasse abdichten und damit es schön wird einen nicht fusselnden Lappen mit Silikonentferner tränken und damit einen übergangsfreien Anschluß zu den Blechteilen hinwischen. Verschmutzungen oberhalb und unterhalb der Fuge sofort wegwischen.

Das Ganze ist aufwändig aber gut. Für Winterbetrieb können Lokaris zusätzlich helfen. Ich habe sie in meinen anderen Oldies drin allerdings ohne Wintererfahrung. Die angesprochenen Dreckansammlungen hinter den Lokaris kann man meist vermeiden indem man darauf achtet, wirklich vorne und hinten Spalte größer 10mm zu den Radhäusern zu lassen. Dafür habe ich schon Kunststoffdistanzstücke von Nummernschildschrauben verwendet. Funktioniert einwandfrei.

Sorry an alle, die nicht gern lange Texte lesen. Wenn ich mal in Fahrt bin...

Viele Grüße

Charly


R4-Hans



Profischrauber
957 Beiträge

RE: Korrosionsfalle Radhauskante/Seitenwand hinten, 28.01.2014 07:43


Super, lieber Charly,

DAS nenne ich aber mal eine Anleitung....!

Was die Lokaris angeht, so teile ich des Elchs Befürchtungen - ich habe hinter den Kunststoffinnenradhäusern ‘moderner‘ Wägen schon so einiges an nassem Dreck gesehen. Das wird bei den Lokaris oder der Clementine’s Gummilösung dann wohl auch ähnlich sein ...

Alles Liebe,

Hans