Hallo lieber Thilo, ohne dass Du zumindest die Trommeln runter hast kannst Du keine vernünftige Diagnose stellen. Das Verhalten kann u. A. von undichten Radbremszylindern und/oder verölten Belägen sowie abgefahrenen Belägen mit elendslangem Weg und kiloweise Abrieb in den Trommeln, einem defekten HBZ (wenn nur hinten keine Wirkung, auch von einem auf ungünstiger Stellung festsitzenden Bremskraftregler), verquollenen Bremsschläuchen - oder einer Mischung aus allem zusammen kommen.... Solltest Du noch nicht all zu viele Bremen zerlegt und erfolgreich wieder zusammengebaut haben - bei Bremsenreparaturen hört der Spaß auf - hol dir Hilfe! Das heißt, eine Bremsenüberholung ist zwar kein Hexenwerk, aber Du solltest schon Ahnung haben, was Du da so treibst! Hier ein paar Anregungen: Wenn die Bremsen auf allen vier Rädern so eine schlechte Performance zeigen, ist zumeist nur gefahren und länger nichts gemacht worden (Ist der Wagen womöglich zuvor auch noch länger gestanden?) und bereits einiges im Argen, oft lecken die RBZ schon länger leicht (oder stecken sogar) ein Wechsel (oder Rep.) der Radbremszylinder (etwas Ate-Paste blau nicht vergessen, das erhöht die Lebensdauer der - ab Werk meist ‘trocken‘ eingesetzten - Manschetten um ein vielfaches) und nach Möglichkeit gleich neue Backen wird dann nötig (und noch was, falls Du das nicht ohnehin schon weißt: Bremsen wechselt man an einer Achse natürlich immer links und rechts, d. h. auf beiden Seiten! Das gilt auch, wenn Du nur die RBZ tauscht - der neue ist leichtgängiger und damit bremst er schneller als der gegenüber- die Backen des ungetauschten liegen nicht so rasch an der Bremstrommel an und dann zieht die Bremse auf die Seite, die mehr Bremskraft abbekommt bzw. diese rascher überträgt, die Bremsen werden ungleichmäßig. Lecke Systeme äußern sich gerne durch allmähliches Nachgeben des Pedals (Druckabfall), verquollene Schläuche zeigen sich eher gegenteilig: durch festen Druckpunkt ohne merkliche Bremswirkung Undichtheit oder Festsetzten der RBZ ist ein häufiges (um nicht zu sagen fast das häufigste) Problem. Dass das Entlüften kurzzeitig ‘etwas‘, wenn auch nicht viel, gebracht hat deutet für mich auch in diese Richtung. Mehr siehst du wie gesagt bei offener Trommel. Wenn das Bild dass Dir bei abgenommenen Trommeln entgegenlacht dem entspricht und Du schon die Anlage offen hast tausch nicht nur die RBZ und Backen sondern auch gleich die Bremsschläuche, wer die Bremsbeläge bis zum Anschlag runterfährt wird auch die noch nie getauscht haben... Bremsweg größer deutet auf größeren Weg und somit entsprechendem Verschleiß der Backen (wenn nicht zu arg oft durch simple Exzentereinstellung behebbar), schlechte Performance bei normalem Weg und festem Druckpunkt auf verölte oder durch massives Heißfahren verglaste Beläge hin. Letzteres geht gerne auch mit einem Verzug der Trommeln einher, sie werden unrund, das Bremspedal ‘pumpt‘ bei gleichbleibendem Fußdruck gleichmäßig auf und ab. Ob der HBZ leckt siehst Du meistens bereits daran, dass Bremsflüssigkeit aus der außersten Manschette ausgetreten ist, runterläuft und oft schon den Lack angegriffen hat. Das ist der häufigste Fall, weil die äußerste Manschette am ehesten mechanisch geschädigt wird (vornehmlich und gerne beim Pumpen während des Entlüftens), ich kenne aber auch scheinbar dichte Exemplare, deren innere Manschetten KO waren... Und nun der wichtigste Tip: Gute, gleichmäßige Bremsleistung bei Trommelbremsen bekommst Du nur wenn wirklich alles passt. (Ich habe bei meinen Bremsen daher alle Komponenten getauscht bzw. überholt und auch die Trommeln - da riefig - ausgedreht.) Kostet alles nicht die Welt und Du hast lange Ruhe! Am falschen Platz gespart wird meistens verdammt teuer... Eins noch - nicht wundern, wenn es nach getaner Arbeit nicht sofort zum Vollblockieren beim leisestem Antippen ans Pedal kommt: komplett erneuerte Bremsen entwickeln erst nach den ersten 200-300km die volle Bremsleistung denn die Beläge müssen sich erst anpassen, d. h. auf Zustand und Größe der Trommeln einschleifen. Die Gleichmäßigkeit ist mit einem kleinen Trick aber schnell geprüft: Vollbremsung auf Schotter! Das ist eine relativ empfindliche und genaue Methode der Prüfung der Bremsen auf Gleichmässigkeit - wenn der Boden einigermassen homogen ist. Da siehst Du schon 10-20% Ungleichmässigkeit. Dazu steigt man zuerst gefühlvoll dann immer fester werdend auf die Bremse bis die Räder blockieren. Anhand des Beginns der Spur kann man sehen, ob ein Rad später als das andere blockiert hat. Ungleiche Bremsen vorne spürt man zwar auch u. U. durch ein ‘Ziehen‘ beim bremsen, aber bei den Hinterrädern ist das sogar die einzige Möglichkeit ohne Prüfstand und ‘auf die Schnelle‘ zu sehen, ob ein Rad deutlich schlechter bremst als das andere. Ist natürlich nur eine ganz grobe Methode und ersetzt keineswegs den Prüfstand, hilft aber ungemein. Die Bremskraft kannst Du so natürlich nicht abschätzen, aber dazu hat man ja die Vollbremsung nach den ersten 200-300 gefahrenen km auf Asphalt erfunden...: 
Alles Liebe, Hans
Geändert von R4-Hans am 22.Dec.2014 22:58 |