Hallo Schraubergemeinde, hier mein kleiner Roman zum abendlichen Zeitvertreib  Angefangen hat das vor etwa 2 Jahren, da fing mein Schachbrett ganz unmerklich an, schlechter zu laufen. Erst ein bischen im Stand, dann schlechtere Gasannahme, bis er schließlich bei Teillast im unteren Bereich nur noch am kotzen war. Auch sauberes beschleunigen war nur noch mit Vollgas möglich. Naja, hab ich mir gedacht, machst im Winter eh’ die große Motorrevision, weil die Karre nur noch am ölen war. Daß ich mir damit gleich noch eine, zwar beherrschbare, aber langwierige Folgebaustelle aufgetan habe, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnen. Also das Aggregat ausgebaut, alles neu abgedichtet und über einen endlich trockenen Motor gefreut. Er lief danach auch besser, aber immer noch nicht richtig rund. Die Krümmerdichtung hatte ansaugseitig auf dem dritten und vierten Zylinder eine kleine Undichtigkeit, aber offensichtlich war das nicht die Ursache. Jedenfalls nicht die alleinige, wie ich dann im Verlauf des Sommers teilweise schmerzlich herausgefunden habe. Aber der Grund, warum ich den Vergaser Vergaser hab sein lassen. Letztendlich war alles, aber wirklich ALLES, was zwischen Tank und Motor zu finden ist, mehr oder weniger ein Teil des Problems. Als erstes brachte mich SolaR4Tom darauf, daß da nicht der originale Vergaser verbaut ist. Drin war ein 32‘er Solex, original sollte es ein Zenith 32IF7 sein. Der Solex sah nicht wie reingepfuscht aus, weshalb ich mir da auch nie großen Gedanken gemacht habe. Die Karre lief damit auch super. Also flugs getauscht (Danke an Tom für den Tip und Vergaser an dieser Stelle). Danach lief er anfangs besser, mit Betonung auf ANFANGS. Von rund gut entfernt. Das heißt in diesem Fall: immer noch unrunder Leerlauf, später ruckeln über den gesamten Teillastbereich, beschleunigen nur noch mit Loch, alternativ ganz langsames Gasgeben. Keine Kraft im unteren Drehzahlbereich, d.h. anfahren nur mit ordentlich Gas und schleifender Kupplung, und im Endstadium dann absterben während der Fahrt. Wobei die Steigerung der Symtome nicht auf den Vergaser zurückzuführen ist. „Dann ist es wohl doch die Spritpumpe“, so mein Gedanke. Der war bedingt richtig und in gewisser Weise auch zielführend, aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Nachdem diese durch ein Modell vom Franzosen gewechselt war und ich in der alten reichlich Schmodder fand, dachte ich mir: „Blas doch sicherheitshalber nochmal die Spritleitungen durch.“ Das hatte ich schon beim Motorausbau und Vergaserwechsel gemacht, aber ohne jeweils die Pumpe zu öffnen. Gründlich wie der Deutsche ist, hab ich dazu auch den Tank ausgebaut. Die Leitungen reinigen war nicht das Problem, da kam auch nichts bis gar nichts raus. Den Tankgeber habe ich mir daraufhin gespart, weil das Ding a) geklemmt ist und ich den nicht rausbekommen habe, ich b) dachte: „Was soll schon sein, die Leitung ist ja frei“, und er sich c) durchblasen ließ. (Es blubberte dabei gut im Tank) Alles zusammengebaut. Die neue Pumpe quittiert den ihr angedachten Dienst mit einem satten Strahl, das tat die alte nicht mehr. (Mehr dazu im Anhang, zur alten und zur neuen*.) Also hochzufrieden am nächsten Tag in den Westerwald zum R4-Treffen. Der Motor lief gut bis auf ein bischen Mucken hier und da, was ich darauf zurückgeführt habe, daß ich vorher immer ein bischen an den Schrauben gespielt und den Vergaser ja noch nicht endgültig wieder sauber eingestellt hatte. Auf dem Rückweg erste Anzeichen von Ruckelei und schlechter Gasannahme. Verwunderung macht sich breit. Nach verlassen des Beschleunigerstreifens geht die Karre aus. Einfach so. Mit Müh und Not rette ich mich auf einen verlassenen Parkplatz inmitten einer Baustelle. Es ist dunkel, die Glocken läuten 1o. Zu Hause war ich dann um drei. Seitdem weiß ich, das die A45 gefühlt alle drei Kilometer einen Parkplatz zum abfluchen anbietet. Mitgenommen hab ich jeden. Danach war klar, wo die letztendliche Ursache liegen wird: Dreck im Tank. Auch diese Erkenntnis war zielführend, traf aber immer noch nicht des Pudels Kern. Also nochmal raus mit dem Behälter, hab ja noch Übung. Dann versucht, diesen geklemmten Geber da rauszuholen. Das dauerte eine geschlagene Viertelstunde, 14 Minuten davon für die Zubereitung eines Frustkaffees. Verdammt, was rein-, muß doch auch wieder rausgehen. Aber diese Nase will auch erstmal gefunden werden: 
Der Filter war blitzsauber, ebenso der Tank. Was mich schon etwas verwunderte. Nun stand ich da etwas ratlos, und wußte eine Sekunde lang nicht weiter. In der zweiten hat es mir beim durchblasen des Gebers denselben sauber aus der Hand geschlagen. Der Grund war dann schnell gefunden: 1oo%ige Verstopfung direkt unterhalb des Bogens auf etwa 3-4 Zentimeter. Seitdem die eliminiert ist, läuft mein Schachbrett wieder, wie es soll. Resümee und Erfahrungen Ich glaube, die hauptsächliche Ursache für den schlechten Motorlauf war diese Verstopfung, welche sich wohl über Jahre aufgebaut und bis in den Vergaser verschleppt hat. Aber wie kommt so ein Pfropfen an dieser Stelle zustande? Ich vermute, weil der Winterschlaf immer mit vollem Tank stattfand, die Langzeitstabilität vom Sprit langsam zu wünschen übrig läßt und sich deswegen wohlan genau dieser Stelle ‚irgendwelche’ Oxidantien angesammelt haben. Wahrscheinlich war die Pumpe auch schon länger ganz leicht aber unmerklich undicht, sodaß die Spritleitung über den Winter leerlaufen konnte und sich an der Benzin-Luft-Grenze eben diese Ablagerungen gebildet haben. Eine andere Erklärung hab ich dafür erstmal nicht, gibt es evtl bessere? Die noch nicht endgültig verfestigten haben dann wohl bei jedem Saisonstart immer ein wenig an der Pumpe genagt, bzw ich habe sie während meiner diversen Reparaturversuche beim durchblasen zurück in den Tankfilter geschickt. Worüber die sich dann mokiert haben, weil sie nicht mehr mit ihren Kumpels quatschen konnten. Aus Rache haben sie dann zum Schluß hin richtig schnell richtig zu gemacht. Ein paar von denen waren wohl noch saurer und sind bis zur LLD vorgedrungen**. Solange noch die alte Pumpe verbaut war, traten Startprobleme und schlechter Motorlauf nicht immer und nicht regelmäßig auf. Die einzige Regelmäßigkeit war, das bei längerer Fahrtzeit auch die Unregelmäßigkeiten zunahmen. Was wohl auf die zunehmende Verstopfung während der Fahrt zurückzuführen ist. Da die Ventile aber undicht waren, ist bei Stillstand der Sprit zurückgeflossen und hat einen Teil wieder zurück in das Tanksieb gespült. Das fiel dann weg mit Einbau der neuen. Nota: Um herauszufinden, ob jetzt die Pumpe kaputt, die Leitung verstopft oder beides in Angriff zu nehmen ist, klemmt man einen durchsichtigen Schlauch mit Manometer (o.5 Bar reichen) an deren Ausgang und schaut, was die Pumpe noch drückt. Die Anleitung dazu steht im MR. Alternativ kann man auch einen offenen Schlauch nehmen, der sollte dann aber 3 Meter in die Höhe reichen. Sind die Ventile hin, wird die Höhe nicht erreicht Ist die Leitung verstopft, dauert es länger, weil die Fördermenge nicht erreicht wird. Auf die schnelle kontrolliert: Schlauch vom Vergaser abziehen und sehen, was kommt. Ist alles gesund, pißt die Pumpe mit sattem Strahl, alles darunter bedarf der baldigen Kontrolle/Reparatur. *Die alte Pumpe brachte trotz ihrer schon leicht undichten Ventile noch etwa 85% der geforderten Leistung, gemessen an der Säulenhöhe. Sie wäre auch immer noch verbaut, hätte ich die wahre Fehlerquelle sofort lokalisiert. Ob und wie undicht die Ventile sind, kann man übrigens auch leicht mittels mündlichem durchpusten entgegen der Förderrichtung feststellen. Die neue Franzosenpumpe erscheint qualitativ recht gut, die Breite des Hebels ist genauso groß wie die originale, hat aber einen nicht unerheblichen UND gravierenden Mangel: Die Hebelfläche ist gestanzt. Und mit sowas soll ich mir jetzt meine Nocke ruinieren? Ich hab sie plangeschliffen, was nicht ganz einfach war. Denn mal eben ausbauen geht nicht. Die Welle ist verstemmt. 
Das ist ein recht weiches Material, ich werde wohl zum Jahresende mal schauen ob - und wenn ja – wie tief der Hebel eingelaufen ist. Oder hat da schon jemand Erfahrung? **Im Solex hatten sich in der Schwimmerkammer ordentlich Sedimente angesammelt, die hin und wieder zu Verstopfung der LLD führten, was aber nur selten vorkam und mit beherztem durchblasen behoben werden konnte. Daraufhin habe ich als allerletzte Maßnahme, nachdem der eigentliche Übeltäter gefunden war, sicherheitshalber den Zenith geöffnet. Und siehe da: auch in dessen Schwimmerkammer war schon feinster Schlamm zu finden. Ich vermute, daß genau dieser Feinstdreck letztendlich wie Schmirgel wirkt, weil die Ventile in der alten Pumpe keine Anzeichen von Verhärtung zeigen, was meiner Erfahrung nach die Hauptursache von Undichtigkeit ist. Gibt es da noch andere Erfahrungswerte? Jedenfalls befindet sich seitdem mein Spritfilter VOR der Pumpe - und nicht mehr wie oft gesehen und bis dato selbst auch immer gemacht, zwischen Pumpe und Vergaser. An dieser Stelle meinen leicht verspäteten Dank an Cono für das transparente Modell. (In meinen Breitengraden ausgestorben) Gruß, Thomas
Geändert von R4D4 am 28.Jun.2020 21:18 |