Crashtest R4


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Eggeschter


R4-Novize
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Crashtest R4, 17.02.2024 09:22


Liebe Kommune!

Ich habe mir eine Ausgabe von "Auto motorsport " besorgt wegen der darin enthaltenen Crashtests von Kleinwagen (2CV, Käfer, R4, R5, Polo, Fiats). Da wurde mit 40 km/h gegen eine starre Betonwand gefahren, mit voller Überdeckung. Hochinteressant, finde ich. Jedenfalls schneidet der R4 eigentlich verhältnismäßig gut ab, was mich nicht wirklich wundert. Er kann bei dieser Geschwindigkeit sein eigenes geringes Gewicht gut vertragen mit den Kastenprofilen verschiedener Querschnitte am Chassis. Auch nicht verwunderlich sind die Schwachpunkte bei diesem Crashtest: zum Einen fängt der Sicherheitsgurt erst zu spät zu wirken an, sodass die erste Phase der noch geringen Verzögerung noch nicht auf die Insassen wirkt und dann beim Straffen des Gurtes bzw. Nach-vor-geschleudert-Werden des Dummys umso höherer Werte auftreten. Zum Anderen das Verschieben der Lenksäule samt Lenkrad ins Innere. In diesem Fall um 45 mm. Da gibts dann auch den Kontakt Kopf-Lenkrad (damals noch die alte Ausführung ohne "Pralltopf" an der Nabe). Warum mache ich mir Gedanken um eine Verbesserung der passiven Sicherheit an meinem GTL, Bj. 83? Wir fahren fast 10.000 km im Jahr mit dem Oldie, weil´s einfach so viel Spaß macht und wir gewisse Wege, da am Land lebend, zumindest bis zu den Öffis oder Radlwegen mit Auto bestreiten müssen. Was würde ich denn verbessern (§57a bzw. TÜV sei einmal dahingestellt!)? 
Ich würde die vorderen Automatik-Sicherheitsgurte mit einer Platte, welche beide Aufnahmen für Gurte (höher und tiefer) verwendet, um ca. 10 bis 15 (?) cm nach hinten versetzen. Dadurch würde der "Leerweg" beim Aufprall wesentlich reduziert werden. Nach hinten die Platte schön rund mit Kantenschutz versteht sich. Obwohl wir in Ermangelung von Gurten hinten praktisch immer höchstens zu zweit unterwegs sind.
Zweiter Punkt wäre in die Lenkwelle ein längsverschiebbares Teil statt des Rundstahls einzubauen. Irgendeine Art Präzisionsführung mit Teleskopfunktion. So ähnlich wie Gelenkwellen (Zapfwellen) oder höherwertig. Vom Außendurchmesser her sollte das nicht zu groß werden, da gelegentlich die Lenkwelle ohnehin im Weg ist. 2020 gab es schon einen Thread "Nachrüstung Lenksäule mit Knickgelenk", wo aber die Sinnhaftigkeit einer Teleskopfunktion nicht wirklich bestätigt wird. Laut dem Crashtest wird die Motor-Getriebeeinheit nach hinten verschoben, wovon wohl auch des Lenkgetriebe betroffen ist. Würde also Sinn machen, denke ich.

Bin gespannt auf eure Meinungen. Und ja, das Szenario eines Zusammenstoßes mit neuzeitlichen Autos (meist weit jenseits der 1,5 Tonnen  Eigengewicht) und höheren Geschwindigkeit möchte ich nicht näher betrachten. Das macht nicht Sinn, da bleiben nur Brösel ....

LG Georg


boxerpauli



Profischrauber
971 Beiträge

RE: Crashtest R4, 17.02.2024 17:27


Servus Georg,
Deine Ideen sind grundsätzlich eine Überlegung wert, aber auch eine klare Ansage. Der R4 entsprach den zu seinen Bauzeiten üblichen Minestaforderungen für Unfallschutz, die damals noch deutlich unterentwickelt waren. Lass´ bitte die Finger von solchen Umbauten, die bei Eingriff in die genannten Bauteile (Sicherheitsgurte und Lenksäule) zweifelsfrei den Verlust der Betriebserlaubnis bedeuten. Selbst wenn das bei einer Hauptuntersuchung durchgeht, übernimmst Du im Schadensfall die volle Verantwortung für die Umbauten und deren Folgen (es wird in so einem Fall Vorsatz unterstellt). Der offizielle deutsche Wortschatz des Beamtentums kannt da ein fürchterliches aber voll zutreffendes Wort: Verschlimmbesserung!!!
Der vermeintliche "Sicherheitsgewinn" ist eine fatale Ente. Der Knick in der Lenksäule gleicht in erster Linie Fertigungsunsauberkeiten aus und hilft bei ganz kleinen Geschwindigkeiten. Wenn Du mit 40kmh mit dem R4 gegen einen Baum fährst, kollabiert die Karosserie so brutal, dass die Lenksäule nur einen kleinen Teil der schwersten Verletzungen der Insassen beiträgt. Ich war in den 70er und 80er Jahren sehr aktives Mitglied einer Stützpunktfeuerwehr. Was ich dabei an Unfallfolgen ansehen musste, übertrifft alle Werbefilme des ADAC und der Fahrzeughersteller bei weitem.
Investiere Deine Zeit in ruhige und vorausschauende Fahrweise, pflege akribisch die Technik des R4 und hoffe, niemals in einen Unfall damit verwickelt zu sein.

Gruß Paul


WinfriedB


Profischrauber
1319 Beiträge

RE: Crashtest R4, 18.02.2024 12:24


Völlig ACK mit der Ansicht, daß man am ehesten die Unfälle unverletzt überlebt, die man vermeidet. 

Im übrigen kann auch die Verlagerung der Gurtbefestigungspunkte nach hinten durch irgendwelche selbstgebastelten "Verlängerungsbleche" dazu führen, daß durch deren Hebelwirkung (die Zugbeanspruchung wird kaum genau in Längsrichtung erfolgen) dann die vorgesehen BEfestigungspunkte stärker belastet werden als vorgesehen. 

Unfallsicherheit im Innenraum war wohl bis in die 70er kein Thema. Unser erstes markenfremdes Familienauto (gehörte zur Gattung der Krabbeltiere) hatte noch ein Armaturenbrett aus Blech. Wir durften als Kinder natürlich auch auf den Vordersitz (ohne Gurt und Kindersitz), notfalls auf dem Schoß eines Erwachsenen. Rein statistisch dürfte ich kaum noch leben.... Auch bei dessen Nachfolger vom Hersteller eurer schönen Autos (R16) sah es teilweise übel aus. Die Heizungs- und Lüftungshebel waren so angebracht, daß man nach einem Aufprall auf dieselben wohl das rechte Kniegelenk auf dem Fahrzeugboden zusammenkehren mußte (das war beim zweiten Exemplar mit neugestaltetem A.brett schon wesentlich besser). 

Außerdem gibt es ja nicht nur Frontaufprall, sondern auch Seitenaufprall. Bei den aus einer Schicht Blech bestehenden Türen eurer schönen Autos hilft da auch kein Versetzen der Gurte.... Zur Bauzeit des markenfremden Oldies gab in D noch keine Unfälle mit Seitenaufprall (und dessen Türen sind auch nicht wesentlich stabiler - teilweise 2 Schichten Blech). In den USA gab es die (mit entsprechenden Crashtests) schon und daher wurden in die US-Modelle Türverstärkungen eingebaut - in D nicht. Die Befestigungspunkte derselben gab es auch in D, aber die Verstärkungen hat man sich gespart. 


boxerpauli



Profischrauber
971 Beiträge

RE: Crashtest R4, 18.02.2024 16:58


Zum Unfallgeschehen von Autos gab es in den frühen 80er Jahren einen herrlichen Joke für schwäbische Opelfahrer:

"Fährscht mit´m Vectra an Bau na´, fällt a Ascht ra. Fährscht mit´m Aschtra an Bau na kannscht´n wegtra".

Schönen Rest vom Sonntag


Wolen



Profischrauber
1226 Beiträge

RE: Crashtest R4, 19.02.2024 13:33


Nur mal so zu den Zahlen:

Verkehrstote 1970: 21322
Verkehrstote 2022: 2788

Anzahl PKW 1970: 15,1 Millionen
Anzahl PKW 2022: 48,8 Millionen

Viele Grüße
Wolfgang

PS: Die Zahlen beziehen sich auf Deutschland. BRD und DDR müssten zusammengerechnet sein.




Geändert von Wolen am 19.Feb.2024 13:35
WinfriedB


Profischrauber
1319 Beiträge

RE: Crashtest R4, 19.02.2024 14:01


Die Unfallsicherheit hat sich schon enrom verbessert, m.E. hauptsächlich duch Einführung von Sicherheitsgurten und Airbags. Ich kannte in der Vor-Gurt-Zeit einige Leute, die Frontalaufpraller hatten, die sind alle in der Scheibe gelandet....

Ist in anderen Fahrzeugbereichen ähnlich. In den 60ern sagte der Formel1-Fahrer Jochen Rindt, daß es ganz normal sei, daß in jeder Saison einer draufgeht (wenige Jahre später war er selbst dran). Vor etlichen Jahren konnte Schumi mit 200kmh vor ne Wand fahren und anschließend zu Fuß zum Arzt gehen (m.W. hatte er allerdings ne dicke Gehirnerschütterung). 


Ingo Heitel


Profischrauber
693 Beiträge

RE: Crashtest R4, 21.02.2024 18:20


Liebe R4 Fans,

der R4 ist mit Sicherheit nicht das aufprallsicherste Auto. Zur Sicherheit habe ich mal einige Gedanken aufgeschrieben: https://www.r4l.de/wordpress/2022/05/21/sicherheit/

Das sich das Lenkrad bei einem Anstoß des Rahmens nach innen verschiebt, liegt nicht am Motor+Getriebe ->  der ganze Vorderwagen kommt am Stück nach hinten weil der vordere Hilfsrahmen nicht knautscht sondern die Verformung im flachen Fußboden stattfindet. Damit kommt die Lanksäule + Lenkrad näher an den Sitz. Das passiert auch mit den Lenksäulen mit Gelenk. Dieser Effekt tritt aber eigentlich nur bei einem Aufprall auf eine Mauer auf. Bei Zusammenstößen mit anderen Autos taucht der Rahmen meißt unter das andere Auto.



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