Erfahrung mit dem H-Gutachten?


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Ingo Heitel


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Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 26.09.2025 19:54


Liebe R4-Fans,

in anderen Diskussion klingt es immer wieder an - was alles Probleme beim Oldtimergutachten ( für rote Nummer oder H-Zulassung ) nicht genehmigt wird - oder doch?

Was sind hier Eure Erfahrungen?

Meine: Gefordert ist eine im wesentlichen ordentliche Lackierung: so gut wie keine Beulen und Kratzer, kein sichtbarer Rost, kein abblätternder Klarlack, Keine Struktur von Pinsel oder Rollenlackierung ( -> schleifen und auspolieren reicht ). Da der Prüfer Fotos machen muss, sollte es darauf ordentlich aussehen. Mein Prüfer hat zu sonstigen Teilen keine Einwände geäußert ( wobei ich selbst auf grobe Stilbrüche verzichte ). - Bei extrem raren Modellen ( z.B. Panhard ) sind auch Lackmängel tolerierbar, die bei Massenmodellen durchfallen.

Der Entzug des H-Status war nie eine Thema, auch bei Autos, die das H-Kennzeichen schon lange tragen, als die Kriterien noch leichter waren. - und heute bei einer Erstabnahme evtl. nicht Durchkommen würden.



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elch101



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1677 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 26.09.2025 20:40


Die Regeln sind bundesweit gleich und hier nachlesbar: https://www.tuvsud.com/de-de/-/media/de/auto-service/pdf/broschueren-und-flyer/anforderungskatalog-oldtimer.pdf

Ich hab mirs ausgedruckt und neben dem MOT C unters Kopfkissen gepackt.

Diese Regeln haben genau genommen keine Gesetzeskraft, wie sie genau zu bewerten sind, konnten mir noch nicht mal Landratsamtsleiter exakt erklären, GTÜ Prüfer z.B. fühlen sich in der Motorenfrage nicht daran gebunden, TÜV Prüfer sind daran gebunden und selbst hier haben wir schon Ausnahmen gesehen, die’s eigentlich nicht geben darf.

Die Umsetzung ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich. In Hessen prüfen Landratsamtsangestellte das Gutachten des Prüfers nach. Hier ist damit zu rechnen, das jede Plakette, jedes Typschild, selbst die Kennzeichnung der Scheiben fotographiert wird, und es kann passieren, daß einem abenteuerlich kleinliche Knüppel zwischen die Beine geschmissen werden oder das Ganze in bürokratischem Wahnsinn ausufert. Betrifft oft die Ami/Harley Szene. Kann natürlich auch gut gehen.

In BW ist es eher locker. Die Fotos des Prüfers (nur schräg von vorne, schräg von hinten. Fahrgestellnummer, wenn vorhanden Typschild - kein Innenraum erforderlich) gehen an einen Zweitprüfer, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, spätere Nachprüfungen unwahrscheinlich. Der Prüfer hat in BW also Handlungsspielraum, wenn er den nutzen möchte. 

D.h. in einigen Bundesländern kann ich mir einen Prüfer suchen, der generell verstanden hat, daß er ein Dienstleister ist, den ich bezahle. In anderen Bundesländern so nicht mehr möglich. Bei grenzwertigen Fällen, Lackierung dürftig oder was auch immer, rate ich dringend dazu, nicht selber auf Betteltour zu gehen, sondern eine wilde, oldtimeraffine Hinterhofbude aufzusuchen, die haben ihre Leute. Auch bei Tuning und Umbauten bringt nach meiner Erfahrung das Ganze "Mit den Prüfern vorab sein Vorhaben besprechen" rein gar nix. Sechs Prüfer - acht Meinungen - kein Eintrag. Man sucht sich besser ne Werkstatt, die solche Eintragungen bewerkstelligen können.


WinfriedB


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1319 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 27.09.2025 07:13


Es ist schon ne Weile (13 Jahre) her, daß der markenfremde Oldie sein H-Gutachten bekommen hat. 

Das wurde von GTÜ quasi formlos erteilt, einfach nur ne Bestätigung, daß die Voraussetzungen für ein H-Kennzeichen erfüllt sind. Keine Zustandsbeschreibung, keine Fotos. Das war in Hessen, ob die H-Gutachten damals schon vom Landratsamt geprüft wurden, weiß ich nicht - hab jedenfalls nix davon mitbekommen. Der markenfremde war kaum verbastelt, im Innenraum waren 4 kleine Boxen.

Vor einigen Jahren wurden bei der HU wieder aufgebrochene Roststellen am hinteren Radlauf bemängelt, der Prüfer wies darauf hin, daß aufgrund solcher Mängel das H-Kennzeichen auch wieder entzogen werden kann, insbesondere im Verein mit einem leicht verbeulten und verkratzten vorderen Kotflügel, den er "beim nächsten Mal nicht mehr sehen will". Die Roststellen wurden dann in der Werkstatt fachgerecht gespachtelt und mit Dosenglück nachlackiert - nix mehr zu sehen, hält jetzt 5 Jahre. Den vorderen Kotflügel hab ich zur nächsten HU gegen ein (vom Fachmann lackiertes) Neuteil ersetzen lassen. 


Renova



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1167 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 27.09.2025 23:02


Moin,

mein Portugiese hat auch ein H, ich weiß nicht wie der Vorbesitzer das bekommen hat und warum kein Prüfer bisher das monierte.

Als ich den Wagen bekommen hatten, waren unendlich viele Mängel. Am auffälligsten war der Motorschaden, der Wagen räucherte wie ein Zweitackter. Der Motor war völlig verschlammt, bei der Überführung von Portugal nach Hamburg überhitzte der vierte Zylinder.

Alle Blechteile hatten Dellen und Schranmmen. Es gab viele Roststellen, am Unterboden einige Durchrostungen. Die Fahrertür war im Fensterbereich gebrochen. Die Schließe an der B-Säule war ausgebrochen, sodaß sich die Fahrertür nur von außen öffnen ließ. Also Fenster auf, wenn man drinne saß und zum Tür öffnen rausgreifen. 

Die vorderen Türpappen waren ausgerissen und mit Blechschrauben angeschraubt. Die vorderen Sitze hatten zerissene Bezüge, die Sitzfedern waren gebrochen und die Schaumstoffpolster waren kaum noch vorhanden.

Die hintere Gummimatte war zerfleddert und die Ladefläche war verbeult, weil damit ein schweres grünes Teil regelmäßig transportiert worden ist. 

Die rostigen Metallrahmen der Fenster hat irgendein Schwachmat mit Schmirgelpapier bearbeitet und dabei auch die Scheiben angeschliffen.

Die Stahlfelgen waren rostig und undicht, außerdem waren verschiedene Felgen montiert.

Die Bremsanlage hatte kaum Funktion, die Bremsflüssigkeit war nur braune Soße und die Bremssättel schwergängig.

Motor und Getriebe schwammen in Öl, dafür war ein 5-Liter Kanister Motoröl im Kofferraum. Das Getriebe hatte der Vorbesitzer schon mal getausch, war warscheinlich trocken gewesen. Das Tauschgetriebe war auch nicht mehr Hit.

Das Lenkgetriebe war defekt, die Zahnung im Geradeausbereich war ausgeschlagen. Beim Einschlagen der Lenkung schliff das Rad auf der Beifahrerseite.

Mit den Scheinwerfern stimmte irgendetwas nicht, die ließen sich zwar verstellen, aber das Lichtbild paßte nie zusammen.

Die Stoßdämpfer waren feucht und hatten nur wenig Wirkung.

Die Radlager vorne waren richtig laut und hinten wurden die Lager mit einem Meißel getauscht und ordentlich angeballert.

Der Auspuff schlug an mehreren Stellen am Unterboden an.

Die Liste ließ sich um viele Kleinigkeiten erweiter. Der Wagen hatte in diesen Zustand ein H-Kennzeichen und Tüv. Auf ein H-Kennzeich kann man bei einem Kleinwagen gut verzichten.

Grüße aus Hamburgs wilden Osten, der Blaue




Geändert von Renova am 27.Sep.2025 23:07
Wolen



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1226 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 00:37


Das ist doch ein authentischer zeitgenössischer Zustand.  

Aber mal im Ernst: Ein H-Kennzeichen ist natürlich auch ganz praktisch, wenn man in Umweltzonen reinfahren will. Die Steuerersparnis ist ja selbst beim R4 mit 1100er Motor nicht gerade gigantisch.

Hat eigentlich schon mal jemand einen Fall erlebt, wo ein H-Kennzeichen im Nachhinein wieder aberkannt worden ist?

Viele Grüße 
Wolfgang 


elch101



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RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 07:14


Die Aberkennung von Eintragungen hab ich schon mitbekommen, die Aberkennung eines H-Kennzeichens noch nicht. Aber vor einigen Jahren bin ich hier mal zur DEKRA hin, um mich höflich nach allerhand Regularien im Oldtimerbereich zu erkundigen. Weil auch für die DEKRA die TÜV Richtlinie nicht so ganz bindend ist. Der Prüfer ist legendär, ein unglaublich unsymphatischer Fettsack. Motorräder, Traktoren und Anhänger läßt er so durch, wenn die Lichter gehen, bei Autos sucht er akribisch nach der letzten Kleinigkeit, die man noch auf den Zettel schreiben könnte. Bei der Erörterung, was erlaubt ist und was nicht wurde er ohne erkennbaren Anlass immer lauter und lauter bis er richtig am Rumschreien war, wenn so einer (ein zeitgenössisch modifizierter Oldtimer) bei ihm reinkäme, dem würde er sofort die Plakette runterkratzen und Stilllegen.


WinfriedB


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1319 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 09:04




Wolen:

Hat eigentlich schon mal jemand einen Fall erlebt, wo ein H-Kennzeichen im Nachhinein wieder aberkannt worden ist?

Viele Grüße 
Wolfgang 


Wie gesagt, beim markenfremden Oldie hat das der Prüfer angesprochen. 

Bei einem Nicht-Olditmer wären die aufgebrochenen Roststellen mit ein bißchen Spachtel und Farbe erledigt gewesen und der vordere Kotflügel mit Beule und Schramme wäre gar kein Thema gewesen. Um das H-Kennzeichen zu behalten, mußten die Roststellen zumindest optisch einwandfrei beseitigt werden und den Kotflügel wollte der Prüfer nicht noch mal sehen. 

Selbst wenn das H-Kennzeichen aberkannt wird, dürfte es da ja auch eine 1-Monats-Frist zur Wiedervorführung geben?


Wolen



Profischrauber
1226 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 11:55


Kommt eine sofortige Stilllegung nicht sowieso nur in Betracht, wenn der Zustand eines Fahrzeugs eine unmittelbare Gefahr für den Straßenverkehr darstellt? 

Viele Grüße 
Wolfgang 




Geändert von Wolen am 28.Sep.2025 11:55
WinfriedB


Profischrauber
1319 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 12:28


War vllt mißverständlich ausgedrückt - "Aberkennung des H-Kennzeichens" bedeutet nicht die Stilllegung, sondern lediglich, daß eine Zulassung als Oldtimer nicht mehr möglich ist. 

Stilllegen kann der HU-Prüfer sowieso nicht, die HU-Firma ist keine Behörde. Der Prüfer kann aber ggf. die Polizei benachrichigen, daß ein Kfz mit gefährlichen Mängeln unterwegs ist. In der Werkstatt, in der der Mann einer Kollegin arbeitete, wurden mal bei einem Lkw mit russ. Zulassung Risse in den Bremsscheiben festgestellt. Die wollten damit aber noch zurück fahren. Das sah dann aber die herbeigerufene Polizei anders. Zufällig war ein HU-Prüfer in der WErkstatt anwesend und der hat sich dann die Karre mal ganz genau angesehen, Resultat war eine 4stellige Rep.rechnung. 


elch101



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1677 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 28.09.2025 21:38


@ Wolen. Stillgelegt werden kann man auch, weil die Polizei mit ungeeichtem und nicht zugelassenem Messgerät meint, Dein Auspuff sei zu laut, oder irgend ein Zubehörteil nicht zulässig. Probleme die uns und normale Alltagsautofahrer nie betreffen, aber Leute, die auf Tuningtreffen fahren, oder in der Harleygemeinde unterwegs sind. Der TÜV kann und darf Fahrzeuge stilllegen und tut das auch. Weiterfahrt untersagt


Ingo Heitel


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693 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 29.09.2025 07:52


Liebe R4-Fand,

um das Thema wieder einzufangen: Ich habe verstanden, daß eine sofortige Stillegung / Benutzungsverbot bei Aberkennung des Oldtimerstatus bei der Hauptuntersuchung kein Thema ist.

Aber wie läuft das parktisch? Ist es vergleichbar mit einem Gutachten zu einer Änderung, bei dem man anschließend verpflichtet ist, die Papiere im Landratsamt "unverzüglich" entsprechend ändern zu lassen? - oder daß man nach Beseitigung der Mängel zu einer Nachprüfung erscheinen darf? Gibt es hier Fristen? ( in den 4 Wochen für Hauptuntersuchungsmängel bekommt man vermutlich keine Neulackierung hin ).

Praktisch wird man mit einem negativen Bescheid, das Auto nicht mehr im Verkehr benutzen, die Kennzeichen verstecken - und nach Erfüllen der Wünsche des Prüfers einen neuen Versuch zur Abnahme starten !? - oder Abmelden, oder eben auf den Oldtimerstatus verzichten..



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elch101



Profischrauber
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RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 29.09.2025 22:11


Ich meine, ohne Gewähr, es gilt die normale Nachbesserungsfrist.


boxerpauli



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971 Beiträge

RE: Erfahrung mit dem H-Gutachten?, 30.09.2025 15:45


Und was sagen uns die Beiträge? Es menschelt an allen Ecken und Enden. Bei mir rund um den Wohnort ist alles vertreten, Von DEKRA über GTÜ, KÜS und TÜV. Wie schon oben geschrieben sind die "Leitlinien" des TÜV interne Papiere dieser Organisation und somit ohne jegliche gesetzliche Bedeutung. Ich habe da schon einiges erlebt, überwiegend positiv und zumal haarstreubend. So wurde eine fachmännische Neulackierung im Farbton Renault 705 bemängelt ("schaut nicht original aus"), ein ehemlig grüner R4 wurde von Grund auf saniert und in RAL verkehrsblau mit Dach cremeweiß lackiert. Sitze und Innenverkleidung neu genäht mit Karomuster in blau grau weiß. Ohne jeden Mangel mit H-Kennzeichen versehen. Ein deutlich sichtbarer Kratzer am hinteren Kotflügel wurde mündlich bei der ersten Wiedervorführung angesprochen. TL mit Garagenlack an Haube, neuen Kotflügeln und Kofferraumklappe und zudem schwarzen Stoßstangen ist problemlos begutachtet worden. Habe kürzlich einen Rapid vom nachgerüsteten Franzosenkat befreit und wieder in Originalzustand versetzt. Der TÜV-Prüfer hat das sauber gemacht und empfohlen, die maroden Plastikstoßstangen zu ersetzen und eine kräftige Beule hinten links zu beseitigen, dann wäre das H-Kennzeichen kein Problem. Ein anderer hätte den 1250er Motor eingetragen und das H-Kennzeichen belassen, wenn ich "formal" ein Lärm- und Abgasgutachten machen liese...
Mir hat noch nie jemand mit Entzug des H-Kennzeichens gedroht, ich habe aber auch immer den Zustand sehr in der Nähe des Originals belassen.
Bei mir steht auch seit kurzem ein GTL aus Mitte der 80er Jahre, vom ersten Tag an in Besitz des Erstkäufers. Der GTL ist recht bunt bemalt und ein kanallgelber Kotflügel vorne sticht doch sehr ins Auge. Habe einen mir bekannten Sachverständigen des TÜV Süd kontaktiert. Wenn ich den Kotflügel wieder in original rot hinbekomme, die Stoßstangen in grau oder schwarz lackiere, sollte das H-Kennzeichen drin sein. Sehr hilfreich wäre eine Bestätigung des Vorbesitzers, dass die Malerei schon Anfang der 90er erfolgte; noch besser wären aussagekräftige Fotos aus dieser Zeit.

Wie immer scheint also ein probates Mittel zu sein, vor Aktivitäten am Auto einen Sachverständigen zu kontaktieren und seinen Rat einzuholen. Konkurrenz belebt das Geschäft und eine zweite Meinung ist immer gut.

Also viel Erfolg euch...

Gruß Paul